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Die imperiale Lebensweise und ihre Opfer
Wohlstand auf Pump: Wie die Externalisierungsgesellschaft den globalen Süden plündert
Unser Leben in Saus und Braus im globalen Norden basiert auf einer bitteren Wahrheit: Wir leben im „Zentrum“, während die Kosten unseres Lebensstils in die „Peripherie“ – den globalen Süden – ausgelagert werden. Der Soziologe Immanuel Wallerstein beschrieb dieses Prinzip der Ausbeutung von billigen Arbeitskräften für maximale Gewinnspannen. Doch der Kapitalismus plündert nicht nur Menschen, sondern raubt dem Süden durch ungleichen Austausch auch systematisch Rohstoffe, Energie und Nahrung.
Der Soziologe Stephan Lessenich nennt dies die Externalisierungsgesellschaft. Wir haben eine dunkle Ahnung, dass es uns nur so gut geht, weil es anderen schlecht geht. Aber wir wollen es nicht so genau wissen. Wir machen uns täglich zu Komplizen dieser imperialen Lebensweise:
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Fast Fashion: Unsere billige Kleidung wird unter lebensgefährlichen Bedingungen in Ländern wie Bangladesch genäht. Der Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes 2013 mit über 1.000 Toten legte diese Skrupellosigkeit offen. Indische Bauern werden in den Ruin und in den Selbstmord getrieben, weil sie teures, genetisch verändertes Baumwollsaatgut und Pestizide von Großkonzernen kaufen müssen.
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Palmöl: Es steckt in fast 90 % unserer Supermarkt-Lebensmittel. Für die Plantagen in Malaysia und Indonesien wird der Regenwald in rasantem Tempo vernichtet. Die Böden erodieren, Pestizide vergiften die Flüsse und zerstören die Nahrungsgrundlage der Einheimischen.
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Avocados: Für unseren Trend-Schnittbohnen-Export opfert ein Land wie Chile sein eigenes, knappes Trinkwasser, das der lokalen Landwirtschaft entzogen wird.
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Flaring (Gas-Abfackeln): Bei der Erdölförderung im Irak wird überschüssiges Gas einfach direkt neben Wohngebieten abgefackelt, weil die Weiterverarbeitung den Konzernen nicht genug Profit einwirft. Die Folge: Es regnet Öl, die Luft ist hochgradig krebserregend.
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Überfischung & Landgrabbing: Riesige industrielle Fangflotten plündern die Küsten Afrikas. Alten Fischernetze machen zudem die Hälfte des Plastikmülls in den Ozeanen aus. Gleichzeitig werden einheimische Bauern von ihrem Land vertrieben, damit ausländische Investoren dort Schnittblumen oder Export-Lebensmittel in hochautomatisierten Monokulturen anbauen können.
Den Menschen im Senegal oder im Irak bleibt oft keine andere Wahl, als ihre Heimat zu verlassen und die lebensgefährliche Flucht nach Europa anzutreten. Wenn uns globale Gerechtigkeit am Herzen liegt, müssen wir unseren Lebensstandard radikal senken.
Umweltkatastrophen sind kein „Pech“
Ob der Dammbruch von Brumadinho in Brasilien (2019) mit 270 Toten durch den Bergbaukonzern Vale oder verheerende Ölkatastrophen – es sind keine unglücklichen Zufälle. Es sind menschengemachte Katastrophen mit Ansage. In fast allen Fällen gab es im Vorfeld deutliche Warnungen von Experten und Anwohnern. Doch aus Profitgründen und zur Vermeidung von Kosten wurde das Risiko bewusst in Kauf genommen.
| Datum | Katastrophe | Ort | Ursache / Auswirkung |
| 1989 | Exxon Valdez | Alaska | Tankerunglück, 37.000 Tonnen Öl ausgetreten |
| 2010 | Deepwater Horizon | Golf von Mexiko | Explosion der BP-Bohrinsel, 672.000 Tonnen Öl |
| 2015 | Bento Rodrigues | Mariana, Brasilien | Dammbruch von Bergbauabfällen, Zerstörung des Rio Doce |
| 2020 | Wakashio | Mauritius | Frachter auf Grund gelaufen, 1.000 Tonnen Schweröl im Naturparadies |
| 2021 | Chempark Leverkusen | Deutschland | Großbrand und Explosion in einer Abfallbehandlungsanlage |