Lupe

Mal eben gucken

Mal eben gucken / Systemsturz / Thomas Pikettys Weg zum partizipativen Sozialismus / weiter

Thomas Pikettys Weg zum partizipativen Sozialismus

Die hier vertretene radikale Position steht in der modernen Ökonomie keineswegs allein. Thomas Piketty, dessen monumentales Werk Das Kapital im 21. Jahrhundert weltweit gefeiert wurde, argumentiert in eine ganz ähnliche Richtung wie der Öko-Marxist Kohei Saito.

Speziell in seinem Buch Kapital und Ideologie fordert Piketty die konsequente Überwindung des Kapitalismus. Seine Alternative nennt er einen partizipativen Sozialismus, der auf vier Säulen ruht: Sozialeigentum, massive Investitionen in Bildung, freie Wissensverbreitung und echte Machtaufteilung.

Dabei spart Piketty nicht mit Kritik an den traditionellen sozialdemokratischen Parteien der westlichen Welt. Er prangert an, dass diese ihren Fokus längst von der Arbeiterklasse wegbewegt haben und stattdessen zu Parteien einer wohlhabenden, gut ausgebildeten Elite mutiert sind.

Angesichts des Klimawandels reicht es nicht mehr, den Markt nur ein bisschen zu regulieren. Piketty fordert eine echte Vergesellschaftung der Betriebe durch die Arbeiter und eine weitreichende betriebliche Mitbestimmung. Er kritisiert scharf, dass Managemententscheidungen heute fast ausschließlich auf der Grundlage von Dividendenmaximierung für Großaktionäre getroffen werden.

Dieser partizipative Sozialismus ist im Kern das, was wir unter der Wiedererlangung der Commons verstehen. Er unterscheidet sich fundamental vom autoritären Staatssozialismus der Sowjetunion, in dem eine abgehobene Kaste von Bürokraten und Experten alle Entscheidungen von oben herab diktierte.

Allerdings warnt Piketty auch vor einer Gefahr: Der Übergang zu diesem neuen System hängt stark von staatlicher Macht ab. Wenn der Staat versucht, den Kapitalismus durch massive Steuern zu zügeln, gewinnt der Staatsapparat enorm an Stärke. Ohne echte demokratische Basis droht auch hier das Abgleiten in einen Klima-Maoismus.

Das Grundproblem bleibt bestehen: Solange das System eine unbegrenzte, abstrakte Wertsteigerung verlangt, kommt es zu einem, wie Marx es nannte, „unheilbaren Riss“ im Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur. Der einzige Ausweg besteht darin, die Arbeitsprozesse radikal an die natürlichen Kreisläufe anzupassen.