Mal eben gucken / Systemsturz /
Begriffserklärung
- Akzelerationismus
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Eine philosophische Strömung, die davon ausgeht, dass der Kapitalismus nicht von außen gebremst oder reformiert werden kann. Stattdessen argumentieren Anhänger dafür, seine inneren Prozesse der Beschleunigung und des technologischen Fortschritts so weit auf die Spitze zu treiben, bis das System kollabiert oder sich in eine post-kapitalistische, oft post-humanistische Ära hineinentwickelt. Die Strömungen streiten sich jedoch heftig darüber, ob dies im utopischen Befreiungsschlag oder im Untergang der Menschheit endet.
- Anthropozän
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Das „Zeitalter des Menschen“. Dieser Begriff beschreibt die aktuelle Epoche der Erdgeschichte, in der der Mensch zum dominanten Einflussfaktor auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse des Planeten geworden ist. Ob Mikroplastik im Grabenbruch oder CO₂ in der Atmosphäre: Die Spuren unseres Wirtschaftens haben das planetare Gleichgewicht ins Wanken gebracht.
- Austerität
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Bezeichnet eine strikte staatliche Sparpolitik. Um Schulden abzubauen oder den Haushalt zu sanieren, kürzt der Staat drastisch seine Ausgaben (etwa bei Sozialleistungen, Bildung oder Infrastruktur) und erhöht oft die Steuern. In Krisenzeiten führt diese erzwungene Disziplin meist zu sozialer Ungleichheit und würgt den wirtschaftlichen Motor weiter ab.
- BIP (Bruttoinlandsprodukt)
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Die zentrale Messgröße einer Volkswirtschaft. Das BIP gibt den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen an, die innerhalb eines Jahres in einem Land als Endprodukte hergestellt wurden. Der entscheidende Haken in der Postwachstums-Debatte: Das BIP misst stures quantitatives Wachstum – ob dabei die Natur zerstört oder Care-Arbeit unsichtbar bleibt, fließt nicht in die Bilanz ein.
- Commons
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Ein dritter Weg jenseits von ungezügeltem, neoliberalem Markt und starrer, sowjetischer Verstaatlichung. Commons (oder Allmende) bezeichnet Lebensgrundlagen und öffentliche Güter – wie Wasser, Energie, Wohnraum, Pflege und Bildung –, die nicht als Ware gehandelt, sondern von der Gemeinschaft demokratisch, nachhaltig und selbstverwaltet organisiert werden.
- Degrowth-Kommunismus
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Das von Kohei Saito geprägte Kernkonzept, basierend auf seinen Recherchen zur MEGA (Marx-Engels-Gesamtausgabe). Es beschreibt die Erkenntnis des späten Karl Marx, dass eine gerechte, post-kapitalistische Gesellschaft nicht auf ewigem Produktivitäts- und Wachstumswahn basieren kann. Stattdessen fordert der Ansatz eine bewusste Abkehr vom Wachstumszwang hin zu einer stationären, zirkulären und demokratisch geplanten Wirtschaft, die die ökologischen Grenzen des Planeten respektiert.
- Despotie
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Eine rücksichtslose Form der Herrschaft, bei der ein einzelner Machthaber oder eine kleine Gruppe die absolute Gewalt über ein Volk ausübt. Rechte des Einzelnen existieren nicht, der Wille des Despoten steht über dem Gesetz. Der Begriff wird heute oft deckungsgleich mit Tyrannei oder Gewaltherrschaft genutzt.
- Dialektik
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Eine philosophische Methode der Wahrheitsfindung, die Denken und Realität als dynamischen Prozess versteht. Anstatt Dinge isoliert zu betrachten, sucht die Dialektik nach Widersprüchen. Das klassische Prinzip verläuft in drei Schritten: Einer bestehenden Behauptung (These) schlägt die Realität mit ihren inneren Widersprüchen entgegen (Antithese). Aus diesem Spannungsverhältnis entsteht eine neue, höhere Stufe der Erkenntnis (Synthese).
- Dialog
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Ein tiefergehendes Gespräch, eine Rede und Gegenrede zwischen zwei oder mehreren Personen. Im philosophischen Kontext dient er nicht dem bloßen Rechtbehalten, sondern dem gemeinsamen Austausch von Argumenten und dem gegenseitigen Verständnis.
- Deflation
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Das Gegenstück zur Inflation: Ein kontinuierlicher Rückgang des allgemeinen Preisniveaus für Waren und Dienstleistungen. Das Geld gewinnt zwar kurzfristig an Kaufkraft, doch für eine Wirtschaft ist Deflation oft fatal. Weil Verbraucher und Unternehmen in Erwartung noch niedrigerer Preise Käufe aufschieben, bricht die Nachfrage ein – es droht eine gefährliche Abwärtsspirale aus Produktionsstopps, sinkenden Löhnen und steigenden Schuldenlasten.
- Egalitäre Gesellschaft
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Eine Gesellschaftsform, die auf radikaler Gleichheit basiert. Alle Mitglieder haben den gleichen, freien Zugang zu den lebensnotwendigen Ressourcen (wie Land, Nahrung und Güter). Es gibt keine dauerhaften, institutionalisierten Machtstrukturen oder Hierarchien, bei denen eine Gruppe über eine andere herrscht – ein zentraler Bezugspunkt für vorkapitalistische Gemeinschaftsmodelle.
- Entkopplung
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Das große Versprechen des „grünen Kapitalismus“. Die Idee besagt, dass durch technische Innovationen das Wirtschaftswachstum weiter steigen kann, während der Ressourcenverbrauch und die CO₂-Emissionen gleichzeitig sinken. Die Realität zeigt jedoch: Eine absolut ausreichende, globale Entkopplung findet in der Praxis nicht schnell genug statt, um die planetaren Grenzen zu wahren.
- Generation Z
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Die Alterskohorte derjenigen, die etwa zwischen 1997 und 2012 geboren wurden. Als erste Generation, die vollständig mit Smartphones und sozialen Medien aufgewachsen ist („Digital Natives“), prägt sie neue Debatten über die Arbeitswelt (Work-Life-Balance) und treibt angesichts der drohenden Klimakatastrophe globale Protestbewegungen maßgeblich voran.
- Green New Deal
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Ein politisch-ökonomisches Konzept, das den klimagerechten Umbau der Wirtschaft durch massive staatliche Investitionen in erneuerbare Energien und grüne Technologien forcieren will. Der Name lehnt sich an Roosevelts historischen „New Deal“ an, der in den 1930er-Jahren die Weltwirtschaftskrise bekämpfte. Kritiker aus dem Degrowth-Lager bemängeln jedoch, dass auch dieses Konzept meist am Paradigma des ewigen Wachstums festhält.
- HDI (Human Development Index)
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Der Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen. Im Gegensatz zum rein ökonomischen BIP versucht der HDI, echten Wohlstand messbar zu machen. Dafür kombiniert er das Pro-Kopf-Einkommen mit der durchschnittlichen Lebenserwartung der Bevölkerung sowie der Bildungsdauer (Alphabetisierungsrate und Schulbesuchsjahre).
- Keynesianismus
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Eine makroökonomische Denkschule, begründet von John Maynard Keynes. Kernthese: Die Wirtschaft reguliert sich in Krisen nicht reibungslos von selbst, da die Gesamtnachfrage einbrechen kann. Der Staat muss daher in Rezessionen aktiv als Investor einspringen (z. B. durch Infrastrukturprogramme), um Arbeitsplätze zu sichern und die Wirtschaft wieder anzukurbeln.
- Körperschaftssteuer
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Die „Einkommenssteuer“ für Unternehmen. Sie bemisst sich am Gewinn von juristischen Personen, wie etwa Aktiengesellschaften (AGs) oder GmbHs. In Deutschland liegt der Steuersatz bei 15 %, wird jedoch regional durch die Gewerbesteuer ergänzt. Politische Parteien sowie gemeinnützige oder kirchliche Organisationen sind von ihr befreit.
- Neoliberalismus
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Eine Wirtschafts- und Gesellschaftsideologie, die die Freiheit des Marktes und den Wettbewerb radikal in den Mittelpunkt stellt. Während der deutsche *Ordoliberalismus* dem Staat noch die Rolle des Wettbewerbshüters und soziale Leitplanken zuschrieb, dominiert seit den 1980er-Jahren die angelsächsische Ausprägung: Privatisierung öffentlicher Güter, Deregulierung der Märkte, Abbau des Sozialstaates und die Verwandlung aller Lebensbereiche in marktfähige Waren.
- MAPA
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Abkürzung für „Most Affected People and Areas“ (Die am stärksten betroffenen Menschen und Regionen). Der Begriff lenkt den Fokus auf die fundamentale Ungerechtigkeit der Klimakrise: Er bezeichnet jene Gemeinschaften – vor allem im globalen Süden und dort insbesondere Frauen –, die am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen haben, aber schon heute am härtesten unter den fatalen ökologischen Folgen leiden.
- Markgenossenschaft
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Ein historisches, mittelalterliches Siedlungs- und Wirtschaftsmodell, das in der modernen Postwachstumsforschung als frühes Beispiel für funktionierende *Commons* gilt. Wälder, Weiden, Gewässer und Äcker (die „Mark“) wurden nicht an Einzelne aufgeteilt, sondern befanden sich im Gemeinschaftsbesitz der freien Bauern. Nutzung und Rechtspflege wurden demokratisch und nachhaltig durch die Genossen selbst organisiert.
- Modern Monetary Theory (MMT)
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Eine moderne, makroökonomische Theorie, die das Geldsystem neu beschreibt. Sie argumentiert, dass ein Staat, der seine eigene Währung herausgibt, niemals „pleitegehen“ kann. Geld wird hier nicht als knappes Gut verstanden, sondern als staatliches Steuerungsinstrument. Arbeitslosigkeit oder mangelnde soziale Investitionen sind demnach kein Geldmangel, sondern das Ergebnis politischer Fehlentscheidungen bei der Ressourcenverteilung.
- Reflation
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Eine gezielte staatliche Wirtschafts- und Geldpolitik, um einer drohenden Deflation entgegenzuwirken. Durch Zinssenkungen der Zentralbanken oder staatliche Konjunkturprogramme wird künstlich Geld in den Kreislauf gepumpt, um das Preisniveau und die Nachfrage wieder auf ein stabiles, gesundes Niveau anzuheben.
- Stationäre Wirtschaft
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Ein Wirtschaftsmodell, das dauerhaft ohne quantitatives Wachstum auskommt. In einer stationären Ökonomie bleiben Bevölkerungsgröße und Kapitalstock konstant; Produktion und Konsum bewegen sich in einem stabilen Gleichgewicht. Kohei Saito verweist darauf, dass dieses Prinzip in vielen vorkapitalistischen Gesellschaften die Grundlage für langfristige ökologische Stabilität war.
- Subsumtion
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In der Philosophie der formale Vorgang, einen konkreten Einzelfall unter einen allgemeinen Begriff zu ordnen. In der marxistischen Ökonomie beschreibt der Begriff, wie das Kapital sich die menschliche Arbeit unterwirft: Bei der *formalen* Subsumtion übernimmt das Kapital die bestehende Arbeit (Unterordnung durch Arbeitsvertrag und Lohnarbeit), während bei der *realen* Subsumtion der gesamte Arbeitsprozess technologisch und organisatorisch radikal umgebaut wird, um maximale Effizienz und Profit herauszupressen.
- Sustainable Development Goals (SDGs)
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Die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung, die 2015 von den Vereinten Nationen im Rahmen der Agenda 2030 verabschiedet wurden. Sie verknüpfen den Kampf gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit direkt mit ökologischen Zielen wie dem Klimaschutz und dem Erhalt von Meeren und Wäldern. Kritiker bemängeln jedoch den inneren Widerspruch, dass Ziel 8 weiterhin globales Wirtschaftswachstum fordert. (Detaillierte Übersicht auf Wikipedia)
Bewegungen / Ideen
- Zapaisten
- Campesina
- South African Food Sovereignity Campaign SAFSC
- Buen Vivir
- Fearless Cities
- Oxfam
- Extinction Rebellion
- Fridays for Future
- Letzte Generation
- Sunrise Movement
- Critical Mass
- Menschen für Menschen
- Jason Hickel
Weitere Links
- Lexikon der Nachhaltigkeit
- Warum gibt Deutschland anderen Ländern Entwicklungshilfe?
- Global Inequality