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Fallbeispiel Somalia: Die Anatomie eines herbeigeführten Kollapses

Somalia ist eines der tragischsten Beispiele für die verheerenden Auswirkungen dieser Politik. Bis in die 1970er-Jahre besaß das Land trotz periodischer Dürren eine funktionierende, weitgehend autarke Pastoralwirtschaft. Das wirtschaftliche und soziale Gefüge basierte auf einem austarierten Tauschverhältnis zwischen nomadischen Viehhirten – die rund die Hälfte der Bevölkerung ausmachten – und sesshaften Kleinbauern.

Als Somalia Mitte der 1980er-Jahre seine Auslandsschulden nicht mehr bedienen konnte, griffen IWF und Weltbank ein und zwangen dem Land die typischen neoliberalen Schocktherapien auf. Das Ergebnis war die systematische Zerstörung der somalischen Landwirtschaft:

Der eigentliche, zynische Plan hinter der Währungsabwertung ging jedoch auf: Somalia sollte in ein reines Exportzentrum für billige Rohstoffe (wie Obst, Gemüse und Baumwolle) umgewandelt werden, die der Westen dank der schwachen Lokalwährung extrem günstig aufkaufen konnte. Die Produktion von Nahrungsmitteln für die eigene Bevölkerung wurde dafür geopfert.

Bereits 1989 fraßen die Schuldenverpflichtungen fast 200 % der gesamten somalischen Exporterlöse auf. Das System funktionierte also – allerdings nur für die ausländischen Konzerne, Investoren und westlichen Regierungen, die billige Rohstoffe, neue Absatzmärkte und enormen politischen Einfluss gewannen. Für Somalia endete dieses neoliberale Experiment im vollständigen wirtschaftlichen und staatlichen Zusammenbruch, gefolgt von verheerenden Hungersnöten, die Hunderttausende das Leben kosteten.

Die koloniale Ausbeutung wurde nie abgeschafft. Sie wurde lediglich perfektioniert und bürokratisiert.