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Die Entkopplungs-Illusion
Das Entkopplungs-Paradoxon: Warum Technik allein uns nicht rettet
In der klassischen Wirtschaft steigen Umweltbelastung und CO2-Ausstoß parallel zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die Theorie der Entkopplung behauptet nun, wir könnten diesen Zusammenhang mithilfe von Technologie durchbrechen: Die Wirtschaft wächst weiter, während die Emissionen sinken. Die Ökonomen unterscheiden hierbei zwei Stufen:
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Relative Entkopplung: Wenn die CO2-Kurve bei fortschreitendem Wachstum lediglich flacher ansteigt (etwa durch effizientere Kraftwerke in Schwellenländern). Das reicht jedoch nicht aus, da die absolute Menge an Treibhausgasen in der Atmosphäre sinken muss.
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Absolute Entkopplung: Die Emissionen sinken radikal, während die Wirtschaft gleichzeitig wächst. Auf dieses Szenario setzen die Befürworter des Green New Deal durch den Ausbau von Solarstrom, E-Autos und digitalen Videokonferenzen.
Die Realität zeigt: Absolute Entkopplung im nötigen Zeitfenster ist ein Mythos. Der bekannte Ökonom Tim Jackson („Wohlstand ohne Wachstum“) belegt, dass die Industrie in den reichen Ländern zwar immer energieeffizienter wird, global betrachtet aber das Gegenteil passiert. In Schwellenländern wie Brasilien oder im Nahen Osten steigt der Energieverbrauch pro BIP-Einheit massiv an, weil für schnelles Wachstum in veraltete Technologien investiert wird. Weltweit verbesserte sich die CO2-Effizienz zwischen 2004 und 2015 gerade einmal um magere 0,2 Prozent pro Jahr.
Dass die OECD-Staaten scheinbar „sauberer“ werden, liegt nicht an genialen Öko-Innovationen, sondern an schlichter räumlicher Auslagerung: Die CO2-intensive Produktion unserer Konsumgüter wurde in den globalen Süden verschoben. Rechnet man den realen CO2-Fußabdruck der importierten Waren ein, bricht das Kartenhaus der Entkopplung zusammen. Selbst Rockström gab inzwischen zu: Grünes Wirtschaftswachstum durch absolute Entkopplung ist reine Realitätsflucht.
Das Jevons-Paradoxon und der Rebound-Effekt
Warum führen Effizienzgewinne nicht zu weniger Verbrauch? Die Antwort fand der englische Ökonom William Stanley Jevons bereits 1865 in seinem Werk „The Coal Question“. Er beobachtete, dass die Erfindung effizienterer Dampfmaschinen den Kohleverbrauch nicht senkte. Im Gegenteil: Weil die Nutzung billiger und effektiver wurde, kam Kohle plötzlich in viel größerem Stil und in neuen Industriezweigen zum Einsatz.
Dieses Jevons-Paradoxon (auch bekannt als Rebound-Effekt) knechtet uns bis heute:
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Automotoren werden sparsamer – aber die Konsumenten kaufen immer größere, schwerere SUVs.
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Fernseher und Displays verbrauchen pro Quadratzentimeter weniger Strom – dafür hängen wir uns immer gigantischere Bildschirme in die Wohnzimmer.
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Erneuerbare Energien ersetzen die fossilen Brennstoffe nicht, sie werden dem unersättlichen, stetig steigenden Energiebedarf des Marktes einfach nur zusätzlich oben aufgesattelt.