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Die Donut-Ökonomie und ihre Grenzen
Der Donut-Ansatz: Soziale Gerechtigkeit innerhalb ökologischer Grenzen
Wenn wir über Degrowth (Wachstumsrücknahme) sprechen, müssen wir eine fundamentale Wahrheit aussprechen: Weltweit haben Milliarden Menschen im globalen Süden noch immer keinen sicheren Zugang zu Elektrizität, sauberem Trinkwasser, Bildung oder ausreichender Nahrung. Für diese Regionen ist eine Form von wirtschaftlicher Entwicklung unumgänglich. Das klassische, auf ewiges Wachstum ausgerichtete Modell der Entwicklungshilfe von IWF und Weltbank steckt jedoch in einer tiefen Sackgasse. Es hält arme Länder gezielt in Armut und Abhängigkeit.
Die Wirtschaftswissenschaftlerin Kate Raworth (ehemals OXFAM) hat mit ihrer Donut-Ökonomie eine radikale visuelle Antwort auf die Frage formuliert: Welches Maß an wirtschaftlicher Aktivität ermöglicht echten Wohlstand für alle Menschen, ohne die begrenzten Ressourcen unseres Planeten zu zerstören?
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Der innere Kreis (Das gesellschaftliche Fundament): Hier liegen die sozialen Mindeststandards (Nahrung, Wasser, Gesundheit, Bildung, Gleichberechtigung). Fehlen diese materiellen Grundlagen, leben Menschen in Armut – der Zustand vieler Entwicklungsländer.
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Der äußere Kreis (Die ökologische Obergrenze): Er wird durch die planetaren Grenzen definiert. Werden sie überschritten, droht der ökologische Kollaps.
Ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem muss sich genau im grünen, sicheren Bereich dazwischen bewegen – im Teig des Donuts.
Die bittere Realität der 150-Länder-Studie
Dass wir von diesem Zustand meilenweit entfernt sind, belegt eine umfassende Studie des Forschers Daniel W. O. Neill, der Raworths Modell in 150 Ländern untersuchte. Das ernüchternde Ergebnis: Sobald ein Land die sozialen Schwellenwerte für ein gutes Wohlbefinden seiner Bevölkerung erreicht, reißt es fast ausnahmslos die ökologischen Obergrenzen. Bis auf eine einzige Ausnahme (Vietnam) erkaufen sich derzeit alle Nationen ihren sozialen Wohlstand durch die rücksichtslose Zerstörung der Umweltverträglichkeit. Eine Entwicklungshilfe, die den globalen Süden einfach auf das Konsumniveau der westlichen Industrienationen heben will, führt uns direkt in den globalen Untergang.
Gerechtigkeit ist erstaunlich günstig
Dabei zeigt Kate Raworth mit verblüffenden Zahlen, dass der reale materielle Aufwand, um globale Gerechtigkeit herzustellen, verschwindend gering ist:
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Hunger beenden: Eine Erhöhung der weltweiten Kalorienversorgung um nur 1 Prozent würde die 850 Millionen hungernden Menschen vor dem Tod bewahren.
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Strom für alle: Um den 130 Millionen Menschen, die komplett ohne Elektrizität leben, Licht und Energie zu schenken, würden die globalen CO2-Emissionen um gerade einmal 1 Prozent steigen.
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Armut abschaffen: Um extreme Armut (Menschen mit weniger als 1,5 Dollar am Tag) komplett zu eliminieren, bräuchte es lediglich eine Umverteilung von 0,2 Prozent des weltweiten Einkommens.
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Keine Öko-Kosten: Die Gleichstellung der Geschlechter verursacht überhaupt keine Umweltbelastung.
Echte globale Gerechtigkeit wäre ohne ökologische Zusatzbelastungen sofort machbar – wenn wir endlich imperiale Militärausgaben kürzen und die massiven staatlichen Subventionen für die fossile Ölindustrie stoppen.