Mal eben gucken / Systemsturz / Die Krise als Spiegel / weiter
Die Krise als Spiegel
Staatliche Willkür oder Barbarei?
Die Jahrhundertpandemie hat uns wie im Brennglas gezeigt, wie moderne Staaten im Krisenmodus verfahren. Chinas drakonische Null-Covid-Politik war zwar epidemiologisch erfolgreich, unterdrückte die Bevölkerung jedoch massiv. In Europa empörte man sich anfangs über diese totalitären Methoden – nur um wenig später selbst ähnliche Grundrechtseinschränkungen zu verhängen. Die Masse der Bevölkerung fügte sich und akzeptierte die Maßnahmen mehr oder weniger, obwohl gleichzeitig das Gefühl dominierte, dass die Regierungen nicht wirklich Herr der Lage waren. In den USA eskalierte die Situation völlig: Dort formierten sich rechtsextreme, bewaffnete Gruppierungen wie die Boogaloo-Bewegung, die die Krise nutzen wollten, um einen Bürgerkrieg anzuzetteln.
Das wirft eine düstere Frage für die Zukunft auf: Wenn schon ein Virus solche Reaktionen auslöst, was passiert dann erst bei einer globalen Nahrungsmittel- oder Wasserkrise? Wird der Ruf nach dem starken Staat und Zwangsmaßnahmen dann noch lauter?
Droht uns ein Klimafaschismus, in dem Klimaflüchtlinge weggesperrt und Grenzen mit Waffengewalt gesichert werden? Oder rutschen wir in einen Klima-Maoismus, bei dem ein allmächtiger Staat die CO₂-Emissionsmenge jedes Einzelnen lückenlos überwacht und drakonische Strafen verhängt? Die dritte Option ist nicht weniger furchteinflößend: Wenn der Staat angesichts der eskalierenden Krisen kollabiert und handlungsunfähig wird, droht das Abgleiten in die pure Barbarei – ein moderner Krieg aller gegen alle.
Eines ist jedenfalls sicher: Der Kapitalismus ist absolut ungeeignet, eine ökologische Krise oder eine Nahrungsmittelknappheit zu lösen. Da sein einziges Ziel die Profitmaximierung ist, tendiert er im Ernstfall dazu, lebensnotwendige Güter künstlich zu verknappen, um sie möglichst teuer zu verkaufen. Der reale Nutzen für den Menschen – der Gebrauchswert – ist dem Markt völlig egal. Wenn wir nicht in der Barbarei enden wollen, müssen wir über einen vierten Weg nachdenken: den Degrowth-Kommunismus.