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Vom globalen Süden lernen

Karl Marx vollzog in seinen letzten Lebensjahren eine radikale Kehrtwende: Er verabschiedete sich vom Eurozentrismus. Ihm wurde klar, dass die westlichen Industrienationen nicht zwangsläufig die Blaupause für den Rest der Welt sein müssen. Stattdessen begann er, vom globalen Süden zu lernen.

Dabei geht es selbstverständlich nicht um die romantische Rückkehr zu einer vorindustriellen, rein agrarischen Lebensweise. Es geht um etwas viel Moderneres: die gezielte Weiterentwicklung bereits existierender, progressiver Initiativen, die dem globalen Kapitalismus die Stirn bieten.

Das Leben in den heutigen westlichen Metropolen ist geprägt von maßloser Energieverschwendung, Isolation und dem schleichenden Zusammenbruch der gegenseitigen Hilfe. Doch der Widerstand formiert sich. In Städten wie Amsterdam und Paris wird die kommerzielle Vermietung über Plattformen wie Airbnb bereits drastisch reguliert, um bezahlbaren Wohnraum zu schützen. Im französischen Grenoble wurden die Produkte multinationaler Lebensmittelkonzerne kurzerhand aus den Schulkantinen verbannt.

Unter dem weltweiten Motto "Fearless Cities" (Furchtlose Städte) wächst eine neue Bewegung des radikalen Munizipalismus heran. Und ihr Epizentrum liegt in Barcelona.