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Barcelona – Die furchtlose Stadt

Im Januar 2020 tat Barcelona etwas Bahnbrechendes: Die Stadt rief offiziell den Klimanotstand aus. Doch statt leerer politischer Phrasen lieferte die Stadtverwaltung ein über 30 Seiten starkes, radikales Manifest inklusive eines glasklaren Aktionsplans. Das unmissverständliche Ziel: Die CO₂-Emissionen bis 2050 auf null zu senken.

Das Besondere daran? Dieses Manifest war keine bürokratische Arbeit hinter verschlossenen Türen. Es war das Ergebnis der kollektiven Arbeit eines eigens gegründeten „Klimanotstandskomitees“, bestehend aus über 300 Bürgerinnen und Bürgern, Aktivisten, NGOs und Fachleuten aus der Branche der erneuerbaren Energien.

Der beschlossene Aktionsplan greift das kapitalistische System direkt an:

Das ist eine kompromisslose Absage an den Wachstumswahn und eine klare Hinwendung zu einer Wirtschaft des Gebrauchswerts.

Diese Entwicklung hatte eine dramatische Vorgeschichte. Nach dem Lehman-Schock und der darauffolgenden Wirtschaftskrise explodierte die Arbeitslosigkeit in Spanien, während zeitgleich die Mieten stiegen und soziale Netze kaputtgekürzt wurden. Aus der massiven Protestwelle der Movimiento 15-M formierte sich eine neue politische Kraft. 2015 wurde Ada Colau, eine Ikone der Anti-Armuts- und Mieterrechtsbewegung, zur Bürgermeisterin gewählt. Sie öffnete das Rathaus für die Menschen.

Barcelona belebte seine lange Tradition der Solidarwirtschaft wieder. Lokale Arbeiter- und Verbrauchergenossenschaften wurden systematisch gefördert. Bei der Vergabe städtischer Aufträge erhielten fortan fair arbeitende, lokale Kooperativen den Vorzug – ein bewusster Schritt weg vom globalen Outsourcing hin zum lokalen Insourcing. Wenn die Wirtschaft nicht mehr auf kurzfristigen Gewinn, sondern auf Autonomie, Teilhabe und gegenseitige Hilfe ausgerichtet ist, dehnt sich die partizipative Demokratie automatisch von der Politik auf die Produktion aus.