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Das Erbe von Bretton Woods: Institutionen der Ungleichheit

Der IWF und die Weltbank wurden im Juli 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods von 44 Nationen ins Leben gerufen. Nach der Weltwirtschaftskrise und dem Zweiten Weltkrieg sollte der IWF die globale Finanzstabilität sichern, Wechselkurse stabilisieren und Ländern mit Zahlungsschwierigkeiten durch Kredite aushelfen. Damals war das System an den goldgedeckten US-Dollar gekoppelt. Als dieses System Anfang der 1970er-Jahre mit dem Ende des Goldstandards kollabierte, hätte die Rolle des IWF eigentlich schrumpfen müssen. Das Gegenteil war der Fall: Von 1970 bis 1975 verdoppelte sich das reale Kreditvolumen, und der Einfluss der Institution wuchs rasant.

Obwohl der IWF und die Weltbank keine klassischen Banken sind, agieren sie als globale Kreditgeber. Finanziert werden sie durch die Quoten ihrer Mitgliedstaaten. Das Problem: Je reicher ein Land ist, desto höher ist sein finanzieller Beitrag – und desto mehr Stimmrechte besitzt es. Dieses gewichtete System institutionalisiert die Ungleichheit. Es erlaubt den wohlhabenden G7-Staaten, insbesondere den USA, ihre eigenen wirtschaftspolitischen Interessen auf Kosten der ärmeren Nationen durchzusetzen und unliebsame Entscheidungen per Veto zu blockieren.

Wie absurd dieses Stimmrechtssystem ist, zeigt ein direkter Vergleich:

Dass dieses System zutiefst postkolonial geprägt ist, spiegelt sich nicht zuletzt in einer ungeschriebenen Regel wider: Der Chef des IWF ist traditionell immer ein Europäer, der Präsident der Weltbank stets ein Amerikaner.